Branko Tošović

Altkirchenslawisch

Tošović, Branko: Crkvenoslovenizam kao elemenat istorijske stilizacije u romanu A. N. Tolstoja „Petar Prvi“. – In: Prilozi proučavanju jezika. – Novi Sad: 1979. – Knj. 15. – S. 35-55.

Altrussisch und Altkirchenslavisch

In der Epoche der Kiever Rus' wurde auf deren Gebiet das sog. Altrussische gesprochen, aus dem sich später das moderne Russische entwickelte.
Als slavische Sprach gehört das Russische (wie auch z.B. die romanischen und germanischen Sprachen) zu den sog. indogermanischen bzw. indoeuropäischen Sprachen. Aus dem Indogermanischen kristallisierte sich bis zum 5. Jh. n. Chr. eine urslavische Sprache heraus, aus der vom 6. bis 9. Jh. wiederum eine gemeinostslavische Sprache herausging, die sich bereits leicht vom West- und Südslavischen unterschied. (Die Einteilung des Slavischen in diese drei Gruppen ist nur eine, aber die am verbreitetste, Möglichkeit der Klassifizierung.) Vom 10. bis 17. Jh. war das Altrussische in Gebrauch, das sich im 14./15. Jh. in drei einzelne Sprachen differenzierte: das Kleinrussische (Ukrainisch), das (Groß-)Russische und das Weißrussische. Die (groß-)russische Sprache entwickelte sich vom Ende des 17. Jh. bis zum Anfang des 19. Jh. weiter zum modernen Russisch.
Während sich das Altrussische auf natürliche Weise entwickelt hat, stellt das Altkirchenslavische eine künstliche Sprache dar. Ihre Schöpfer waren die "Slavenapostel" Kyrill und Method, die durch die Erfindung einer dem slavischen Lautsystem angepaßten Schrift die Voraussetzungen für das Entstehen einer eigenen slavischen Literatur geschaffen hatten. Für ihre Übersetzungen kirchlicher Schriften aus dem Griechischen verwendeten sie den südslavischen Dialekt der slavischen Bevölkerung ihrer Heimatstadt Thessalonike. Diese natürliche sprachliche Basis erweiterten sie z.B. durch Fremdwörter aus dem biblisch-liturgischen Bereich sowie durch syntaktische Konstruktionen aus dem Griechischen (z.B. den Dativus absolutus als Analogie zum griechischen Genitivus absolutus). Man nimmt an, daß die zur Zeit der kyrillo-methodianischen Slavenmission (862-885) entstandenen Übersetzungen in einem Urkirchenslavisch verfaßt waren. Die ältesten erhaltenen Abschriften aus dem 10./11. Jh. weisen bereits unterschiedliche lokale (bulgarisch-makedonische und teilweise westslavische) Einflüsse auf. Die Ausdehnung der Slavenmission auf Pannonien, die Vertreibung der Methodschüler nach Serbien, Dalmatien, Makedonien, Bulgarien (nach 885) und ab dem Ende des 10. Jh. die Übernahme und Tradierung der altkirchenslavischen Schriften in der Kiever Rus' führten dazu, daß mehrere Varianten des Altkirchslavischen entstanden: 1. Das Bulgarisch-Kirchenslavische (auch "mittelbulgarisch"), 2. das Russisch-Kirchenslavische, 3. das Serbisch-Kirchenslavische, 4. das Kroatisch-Kirchenslavische (auch "glagolitisch") und 5. das Tschechisch-Kirchenslavische. Das Tschechisch-Kirchenslavische verschwand mit der Aufhebung der slavischen Liturgie 1097 und der damit verbundenen Einstellung der Kopistentätigkeit. Das Kroatisch-Kirchenslavische wurde als Liturgiesprache vom Papst verboten, lebte aber durch eine starke Schrifttradition im 14.-16. Jh. fort und ist vereinzelt in liturgischen Werken bis ins 20. Jh. erhalten. In der Ostkirche setzte sich schließlich das Russisch-Kirchenslavische als allgemeine orthodoxe Liturgiesprache durch. Seine Vereinheitlichung wurde im 16./17. Jh. durch grammatische und lexikographische Standardwerke befördert. Bis heute gilt im wesentlichen die Norm des Neu- oder Synodalkirchenslavischen, die während der Kirchenreform des Patriarchen Nikon (seit 1652) festgelegt wurde.
Das Altkirchenslavische wurde v.a. in den Übersetzungen biblischer und liturgischer Texte verwendet, während weltliche Schriftstücke wie Urkunden auf altrussisch verfaßt wurden. Daneben gibt es zahlreiche Texte, z.B. Chroniken, die einen Mischstil aufweisen.
Im heutigen Russisch gibt es zahlreiche sog. Kirchenslavismen. So ist etwa das Wort grad ("Stadt"), das in Städtenamen wie Leningrad, Kaliningrad etc. enthalten ist, die kirchenslavische Variante zu russisch gorod in Städtenamen wie Novgorod etc.
 

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Altkirchenslawisch

Method und Kyrill

Die Slavenapostel Kyrill und Method

Karte der Kiever Rus'

Eine Karte der Stämme Osteuropas