Branko Tošović

 

Burgenlandkroatisch

Gradišćanskohrvatski jezik

 



 

Die Minderheitensprache Kroatisch

in Österreich

und ihre Bildungseinrichtungen

 

Gerhard Baumgartner



 

1. Einführung

Kroatisch, in seiner regionalen Variante des Gradiscansko hrvatski, des Burgenland-Kroatisch, ist neben Deutsch die zweite offizielle Sprache des Burgenlandes. Das zur südslawischen Sprachengruppe gehörende Kroatisch ist eine seit Jahrhunderten im Burgenland beheimatete Sprache. Im 16. Jahrhundert wurde sie durch die Umsiedlungen im Zuge der Türkenkriege von kroatischen Siedlern aus dem Küstengebiet und dem kroatischen Binnenland nach Burgenland gebracht und hier in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts standardisiert und verschriftlicht. Das Burgenland-Kroatisch unterscheidet sich wesentlich vom heute in der Republik Kroatien gesprochenen Hochkroatisch, da es einerseits viele Archaismen des 16. Jahrhunderts bis heute bewahrte und andererseits im Laufe der Jahrhunderte in seiner Entwicklung einem deutlichen ungarischen und später deutschen Einfluss ausgesetzt war. Burgenland-Kroatisch wird heute im Burgenland von rund 30.000 Personen in rund 50 Dörfern gesprochen. Weitere rund 12.000 Sprecher dieser Sprache leben in Wien und noch einmal rund 10.000 in grenznahen Dörfern jenseits der Grenze in Ungarn und der Westslowakei.1 Die Kroaten des Burgenlandes sprechen eine ganze Anzahl von archaischen Dialekten, die ihre Herkunft aus verschiedenen Gebieten des heutigen Kroatiens und Bosniens widerspiegeln. Verschriftlicht wurden diese unterschiedlichen Dialekte allerdings in eine standardisierte Mischform, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur internen Kommunikationssprache der Kroaten im damaligen Westungarn wurde. In dieser Sprache sind sämtliche Druckwerke und Lehrmittel der Burgenland-Kroaten abgefasst.



 

Statistik

Gemäß der letzten Österreichischen Volkszählung aus dem Jahre 1991 wurde Burgenland-Kroatisch von rund 30.000 Personen gesprochen, was ungefähr 0,4 Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung entspricht. Im Bundesland Burgenland gaben bei dieser Volkszählung rund 19.000 Personen - etwa 7 Prozent der Landesbevölkerung - an, Kroatisch als ihre erste oder zweite Umgangssprache im Alltagsleben zu gebrauchen. In Wien wurden bei dieser Volkszählung 6.600 Sprecher der Sprache - etwa 0,4 Prozent der Stadtbevölkerung - erfasst.

Österreichische Minderheitenorganisationen wie etwa das Österreichische Volksgruppenzentrum und zahlreiche private, wissenschaftliche und kirchliche Einrichtungen schätzen die tatsächliche Zahl der Sprachgruppenangehörigen eher auf 35.000 im Burgenland und bis zu 15.000 in Wien.2 Nicht enthalten in diesen Zahlen sind 30.000 Kroatischsprechende, die jedoch keine österreichischen Staatsbürger sind, sowie 16.000 österreichische Staatsbürger und 158.000 Nichtösterreicher, die 1991 als ihre Umgangssprache Serbo-Kroatisch angaben.3



 

Status

Die Sprachenrechte der Kroatischen Minderheit im Burgenland beziehen sich nur auf die Bewohner von sechs der sieben burgenländischen Bezirke, soweit sie österreichische Staatsbürger sind. Die Sprachenrechte finden auf Nichtösterreicher ebenso wenig Anwendung wie auf alle österreichischen Kroaten die zum Beispiel in Wien oder in anderen Regionen Österreichs wohnen. Die Administration der österreichischen Minderheitensprachrechte folgt dem territorialen Prinzip. Sprecher von Minderheitensprachen, die aus dem festgelegten Territorium wegziehen, etwa in die Bundeshauptstadt Wien, gehen damit all ihrer Sprachenrechte verlustig. Die Minderheitenrechte der burgenländischen Kroaten sind im Artikel 7 des Österreichischen Staatsvertrages von 1955, einem Gesetz im Verfassungsrang, festgeschrieben. Die österreichische Verfassung, der Staatsvertrag von 1955 und das Volksgruppengesetz von 19764 regulieren zwar den Gebrauch der Minderheitensprachen, enthalten aber keinerlei spezifische, an die Person gebundene Rechte oder Gruppenrechte für Minderheiten. Selbst im Burgenland wurde der Verkehr mit öffentlichen Stellen in Burgenland-kroatisch erst durch eine Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes im Jahre 19905 legalisiert, nachdem einzelne Kroaten ihre Verfahren bis zu diesem Höchstgericht durchgefochten hatten. Zweisprachige Aufschriften wurden, obwohl integraler Teil des Staatsvertrages von 1955, erst im Juli 2000 aufgestellt, nachdem eine Regierungsverordnung6 dem 45 Jahre dauernden Hickhack zwischen politischen Parteien, lokalen Verwaltungsbehörden sowie Bundes- und Landesregierungen ein Ende gemacht hatte.

Österreich hat die Europäische Rahmenkonvention zum Schutz der Minderheitenrechte unterzeichnet und ratifiziert. Die Charter der Regional- und Minderheitensprachen wurde zwar unterzeichnet, bis dato aber noch nicht ratifiziert.

Trotz der nie erfolgten offiziellen Anerkennung wurde Kroatisch im Burgenland in allen Sphären des öffentlichen Lebens immer verwendet, besonders auf lokaler Verwaltungsebene, wenn vor 1990 auch nicht in schriftlicher Form. Alle Kroatischsprecher des Burgenlandes sind heute de facto zwei- oder dreisprachig. Während alle Kroatischsprecher auch Deutsch sprechen, beherrschen nur 0,8 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung des Burgenlandes auch Kroatisch wenigstens passiv. Und nur 0,6 Prozent der Landesbevölkerung beherrschen sowohl Kroatisch als auch Ungarisch, die dritte Landessprache des Burgenlandes.7 Neben diesen drei Sprachen wird im Burgenland auch noch Romanes gesprochen, die Sprache der Burgenland-Roma. Alle Kroatischsprechen unter 30 sprechen außerdem mehr oder minder fließend Englisch, eine Sprache, in der sie 5 bis 10 Jahre schulischen Sprachunterricht genossen haben.



 

Das Bildungssystem

Die Republik Österreich garantiert einen unbeschränkten Zugang zu öffentlichen Bildungseinrichtungen ohne Unterschied der Sprache, Rasse, Religion, des Geschlechts oder der gesellschaftlichen Stellung. Der Pflichtschulbesuch beginnt im Alter von 6 Jahren und dauert 9 Jahre. Privatschulen, die im Gegensatz dazu ihre Schüler nach verschiedenen Kriterien - meist sprachliche oder religiöse - selektieren könne, haben im österreichischen Schulsystem immer eine marginale Rolle gespielt. Auch in den Privatschulen wird nach dem österreichischen Lehrplan unterrichtet und sie werden zu einem bestimmten Grad auch von der öffentlichen Hand gefördert.



 

Verwaltung

Die gesetzliche Verantwortung für den Primar- und Sekundarunterreicht an österreichischen Schulen ressortiert beim Österreichischen Unterrichts-ministerium, dessen Kompetenzen sich auch auf Lehrerbildungs-einrichtungen, Berufschulunterricht und alle anderen Formen der nicht-universitären Bildung erstrecken. Die Landesregierungen erlassen Landesgesetze zur Durchführung der öffentlichen Bildung, haben jedoch nur im Bereich der Vorschulbildung, also im Bereich der Krabbelstuben und Kindergärten, legislative Kompetenz. Die Implementierung von Unterrichtsmaßnahmen wird außerdem von regionalen Landesschulräten und Bezirksschulräten vollzogen und beaufsichtigt. Zwei weitere wichtige Akteure im Bereich der Implementierung österreichischer Schulgesetze sind die in vielen Studien und Analysen oft vernachlässigten Schüler- und Elternvertretungen innerhalb der sogenannten Schuldemokratie, die ein organisatorisches Prinzip des österreichischen Bildungssystems darstellt. Wo immer die österreichische Bildungsgesetzgebung Raum für breite Interpretationen zulässt - wie das im Falle des Minderheitensprach-unterrichtes oft der Fall ist - können diese Körperschaften die effektive Implementierung der gesetzlichen Vorlagen blockieren oder ihre Durchführung zu reinen pro-forma Maßnahmen reduzieren.

Der Unterricht in den anerkannten Minderheitensprachen ist ein integraler Teil des österreichischen Bildungssystems und im Falle des Burgenlandes in der generellen Rahmenstruktur des Burgenländischen Landesschulgesetzes8 integriert, sowie außerdem durch spezielle Landes-schulgesetze geregelt. Im Jahr 1990 wurde durch die 12. Novellierung des Schulorganisationsgesetzes die Möglichkeit geschaffen, Kroatisch auch außerhalb der sogenannten Minderheitengebiete an allen österreichischen Schulen zu unterrichten, sofern sich mindestens 12 Schüler dafür anmeldeten; immer vorausgesetzt, dass es einen dafür qualifizierten Lehrer gab.9



 

Regionale Minderheitensprachunterrichtsgesetze

Der Unterricht in Kroatisch wurde erstmals durch das Burgenländische Minderheitenschulgesetz von 193710 gesetzlich geregelt, das den Unterricht in kroatischer Sprache an allen Volksschulen jener Dörfer garantierte, in denen der Anteil der kroatischsprachigen Bevölkerung mindestens 30 Prozent erreichte. Dieses Minderheitenschulgesetz erstreckte sich jedoch nicht auf den Bereich des sekundären Schulwesens. Das neue Minderheitenschulgesetz für das Burgenland11 aus dem Jahre 1994 brachte einige drastische Änderungen. Während das alte Minderheitenschulgesetz den Kroatischunterricht von den Ergebnissen der österreichischen Volkszählung abhängig machte, schuf das neue Gesetz des Jahres 1934 nun die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Kroatischunterricht an allen Schulen des Burgenlandes, wobei 28 Volksschulen und zwei Sekundarschulen als bilingual Deutsch-Kroatische Schulen definiert wurden. Nicht nur wurde die Möglichkeit zum kroatischen Sprachunterricht auf sämtliche Schulen des Burgenlandes erweitert, auch die Mindestzahl an notwendigen Anmeldungen für diesen Unterricht wurde herabgesetzt. Besonders die Anmeldungszahl für den Freigegenstand kroatisch wurde auf 7 Schüler, in manchen Fällen sogar auf 5 Schüler herabgesetzt.

Die Kompetenz der Schulaufsicht für Kroatisch wurde vom Volksschulbereich auf den gesamten Bereich des regionalen Schulsystems ausgedehnt und eine gesonderte Abteilung für Minderheitensprachunterricht in der Schulabteilung der Landesregierung geschaffen. Seit 1994 können für Schüler zweisprachiger Schulen auch zweisprachige Zeugnisse ausgestellt werden. Dem Landesschulrat gehören zwei Mitglieder der kroatischen Sprachgruppe an, ebenso den Bezirksschulräten.

Dennoch weist das Minderheitenschulgesetz für das Burgenland aus dem Jahre 1994 einige große Schwachstellen auf. Gemäß dem alten Minderheitenschulgesetz mussten in zweisprachigen Gemeinden alle Schüler unabhängig von ihrer Muttersprache den zweisprachigen Unterricht besuchen, während es nun den Eltern möglich ist, ihr Kind vom zweisprachigen Unterricht abzumelden. Und während das alte Minderheitenschulgesetz genau regelte, bis zu welchem Ausmaß Kroatisch im Unterricht verwendet werden musste, enthält das neue Minderheitenschulgesetz keine solchen Bestimmungen und definiert weder das Ausmaß des Minderheitenschulunterrichtes, noch Lehrpläne, Unterrichtsziele oder Standards des Minderheitensprachunterrichts. Kroatische Sprach- und Bildungsexperten des Burgenlandes nannten das neue Minderheitenschulgesetz des Jahres 1994 daher "den Anfang vom Ende des zweisprachigen Unterrichts im Burgenland!"12



 

Sozialer und politischer Hintergrund des Kroatischunterrichts

Der Unterricht in kroatischer Sprache war im Burgenland für über 100 Jahre eng mit politischen und sozialen Fragen verknüpft. Ursprünglich wurde der Kroatischunterricht im Burgenland vom anti-liberalen Wiener Hof gefördert, um die bäuerliche kroatischsprachige Landbevölkerung von den ungarischen und deutschen liberalen Bewegungen sprachlich zu isolieren. Der Kroatischunterricht wurde durch die katholischen Dorfschulen implementiert, die der direkten Aufsicht des lokalen Priesters unterstanden. Die Lehrer an diesen Schulen waren Bedienstete der einzelnen Kirchengemeinden. Im Burgenland blieb diese Struktur bis 1938 aufrecht, als nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich alle Schulen verstaatlicht wurden und der Unterricht in allen Minderheiten-sprachen bis 1945 verboten wurde.

Im Burgenland führte diese enge Verknüpfung von kroatischsprachigem Unterricht, konservativer Politik und der katholischen Kirche zu einer dauerhaften Entfremdung des immer schneller wachsenden Segments von lohnabhängigen Arbeitern innerhalb der kroatischsprachigen Bevölkerung, die den Kroatischunterricht als anti-moderne Taktik verachteten und wo immer möglich ablehnten. Sozialdemokraten begannen ihre Kinder in die Schulen deutschsprachiger Nachbardörfer zu schicken und betrachteten den Kroatischunterricht zunehmend als Hemmschuh der sozialen Mobilität. Diese Haltung wurde noch durch die Tatsache verstärkt, dass es bis in die 1980er Jahre keinen wie immer gearteten Kroatischunterricht im Sekundarschulbereich gab. Das hochpolitische Thema des Sprachunterrichts war außerdem stark mit Fragen der Parteipolitik verknüpft, wobei die Sozialdemokraten den Kroatischunterricht in der Regel ablehnten und Konservative zusammen mit der katholischen Kirche denselben förderten. Der Gebrauch des Kroatischen und das Beharren auf seiner Verwendung als Unterrichtssprache verschmolz also in der Wahrnehmung der Bevölkerung mit einer eindeutig konservativen, katholischen Haltung. Erst gegen Mitte der 1980-er Jahre begannen diese Fronten aufzubrechen und sind heute mehr oder minder verschwunden.

In der Zwischenzeit aber führte die Reform des österreichischen Bildungssystems, die 1962 die letzten 4 Jahre der achtklassigen Volksschule durch eine vierklassige Hauptschule ersetzte, de facto zur Abschaffung des Kroatischunterrichtes nach dem 10. Lebensjahr. Der rapide soziale Wandel der 1960-er Jahre verwandelte außerdem die einstigen bäuerlichen kroatischen Dörfer des Burgenlandes in Pendlerdörfer. Und während früher die kroatische Sprache als selbstverständliches Kommunikationsmedium der Bauerndörfer funktioniert hatte, wurde sie nun immer mehr zu einer Sprache der Familiensphäre und kirchlicher Feiern. Das Aufbrechen traditioneller Familienstrukturen und die Beschränkung des Kroatischunterrichtes auf die nun nur mehr vierjährigen Volksschulen führte sehr schnell zu einer Beeinträchtigung der Sprachweitergabe in kroatischsprachigen Familien. Es waren meist konservativ orientierte Segmente der Gesellschaft, die versuchten, sich dieser Entwicklung bewusst entgegen zu stemmen. Doch seit den politischen Veränderungen in Mittel- und Osteuropa erfuhr die Einstellung des sozialdemokratisch orientierten Segmentes der kroatischsprachigen Bevölkerung in Bezug auf den Gebrauch der Minderheitensprache und den zweisprachigen Schulunterricht eine 180-gradige Wende. Doch selbst wenn heute mehr und mehr Eltern wollen, dass ihre Kinder Kroatisch lernen - oder zumindest nichts dagegen haben - sehen sich Pädagogen heute großteils mit Kindern konfrontiert, die die Sprache kaum mehr adäquat sprechen. Und sie sehen sich vor die Aufgabe gestellt, gegen diese Entwicklung mit solchen pädagogischen und gesetzlichen Instrumenten anzukämpfen, die viele von ihnen als höchst unzureichend empfinden.



 

2. Vorschulunterricht

Die traditionelle österreichische Form des Vorschulunterrichts für Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren ist der Kindergarten. Da der Kindergartenbesuch freiwillig ist und keinen Bestandteil des österreichischen Schulsystems bildet, wird er durch Landesgesetze geregelt. Im Gegensatz zum öffentlichen Unterricht nach dem 6. Lebensjahr, der vollkommen unentgeltlich ist, ist der Kindergartenbesuch kostenpflichtig und die Preise unterliegen großen Schwankungen.

Die meisten Kindergärten in Österreich werden von den Gemeinden betrieben, manche auch von Landes- oder Bundeseinrichtungen. Die meisten Privatkindergärten Österreichs werden von Kirchengemeinden betrieben, durch Elternvereine, Minderheitenorganisationen oder sogar von Industriebetrieben. Vor 1989 gab es keine wie immer gearteten gesetzlichen Regelungen über den Kroatischunterricht in Kindergärten und die Verwendung der kroatischen Sprache hing einzig und allein von der Initiative der jeweiligen Betreuungspersonen ab.

Eine Novelle des Burgenländischen Kindergartengesetzes13 führte im Jahre 1989 zur Einführung des deutsch-kroatischen zweisprachigen Unterrichtes in den Gemeindekindergärten von 25 Orten in 6 Bezirken des Burgenlandes. In allen anderen Kindergärten des Burgenlandes muss Kroatisch für 6 Stunden pro Woche angeboten werden, falls mindestens 25 Prozent der Eltern dies wünschen. In diesen Fällen muss die Gemeinde eine zweisprachige Kindergartenkraft anstellen. Falls dies nicht möglich ist, wird vom Land eine Assistenzkraft bereitgestellt, die über kroatische Sprachkenntnisse verfügen muss. Im Jahre 2000 besuchten im Burgenland rund 600 Kinder 27 zweisprachige Kindergärten. Es gibt im Burgenland keine privaten kroatischsprachigen Kindergärten und nur einen in Wien, der von einer kroatischen Minderheitenorganisation geleitet und von 20 Kindern besucht wird.

Österreichische Kindergartenpädagogen werden in gesonderten Schulen des Sekundarschulbereichs ausgebildet. Eine Ausbildung zum Kroatischunterricht wird von der Bundesanstalt für Kindergärtnerinnen in Oberwart/ Veliki Borta angeboten, die Kroatisch als Freifach führt. Beratung und Inspektorat werden von einem Bediensteten der Landesregierung versehen.

In den 25 zweisprachigen Kindergärten des Burgenlandes ist Kroatisch neben Deutsch als zweite Kindergartensprache anerkannt. Leider werden von Gesetzes wegen keinerlei Sprachstandards festgeschrieben, noch ist das zu verwendende Ausmaß der kroatischen Sprache in diesen Kindergärten geregelt. Die Standardunterschiede im zweisprachigen Kindergartenunterricht sind dementsprechend groß und reichen von effektiv zweisprachiger Erziehung bis zum Singen einiger kroatischer Volkslieder, je nach Initiative und Kompetenz der Kindergartenpädagogen. In einigen dieser zweisprachigen Kindergärten scheint der soziale Status der kroatischen Sprache so niedrig zu sein, dass es in einigen Fällen dazu kam, dass sich Kinder nach dem Besuch des zweisprachigen Kindergartens weigerten, zu Hause weiterhin Kroatisch zu sprechen. In manchen Fällen haben es die Gemeinden total verabsäumt, die kroatischen Sprachqualifikationen der von ihnen beschäftigten Kindergartenpädagogen zu überprüfen, sodass die Landesregierung 1997 gezwungen war, die Gemeinden per Beschluss dazu aufzufordern, die Sprachkompetenzen ihrer Kindergärtnerinnen zu prüfen. Zwei Gemeinden verweigerten den vom Land bereitgestellten zweisprachigen Assistenzkindergärtnerinnen den Zutritt zu ihren Kindergärten mit der Begründung, dass zumindest eine Person unter den Angestellten etwas kroatisch spreche. In einem Fall unterzeichneten 93 Prozent der Eltern eine Petition, um der zweisprachigen Assistenzkindergärtnerin den Zutritt zum zweisprachigen Kindergarten zu ermöglichen, der Bürgermeister der Gemeinde verwehrte dies jedoch trotzdem.



 

3. Volksschulunterricht

Der Volksschulunterricht beginnt im 6. Lebensjahr und erstreckt sich über vier Schulstufen. Eine optionale Vorschulstufe wird einigen sechsjährigen Kindern angeboten, die dann 5 Jahre in der Volksschule verbringen.

Der Volksschulunterricht in Kroatisch wird durch den Staatsvertrag von 1955 garantiert und durch das Minderheitenschulgesetz für das Burgenland aus dem Jahre 199414 geregelt, das 29 örtliche Volksschulen als zweisprachige Volksschulen bestimmt. Davon sind 8 sogenannte Zweisprachige Volksschulen und 21 sind Volksschulen mit kroatischen Sprachunterricht. In beiden Schultypen besuchen alle Kinder den zweisprachigen Unterricht. Insgesamt nehmen etwa 12 Prozent aller Volksschüler des Burgenlandes an einer Form zweisprachigen Unterrichts teil.

Die Anzahl der Schüler in zweisprachig deutsch-kroatischen Volksschulen des Burgenlandes ist in den 1990-er Jahren beständig angestiegen, von 1.324 im Jahre 1992 auf 1.404 im Jahre 1999. In vier einsprachig deutschen Volksschulen des Burgenlandes besuchen rund 60 Kinder Kroatisch als Freifach. Im Jahre 1999 waren unter den 1.404 Schülern zweisprachiger Volksschulen nur 342 mit kroatischer Muttersprache, die überwiegende Mehrheit gab Deutsch als Muttersprache an. Im Gegensatz zu Kärnten hat im Burgenland die Möglichkeit zur Abmeldung vom Kroatischunterricht, wie sie durch das Minderheitenschulgesetz von 1994 eingeführt wurde, nicht zu einem Sinken der Schülerzahlen im zweisprachigen Volksschulunterricht geführt, wie dies anfänglich von zahlreichen Pädagogen befürchtet worden war. Im Jahr 1999 wurde im ganzen Burgenland nur ein einziges Kind vom Kroatischunterricht abgemeldet.



 

Kroatischer Volksschulunterricht im Burgenland 1999

  Schulen Schüler
zweisprachige Volksschulen 29 1404
Kroatisch als Freifach 4 60
gesamt 33 1464



 

Zwischen zweisprachigen und einsprachigen Volksschulen des Burgenlandes existiert ein großer Unterschied, indem nämlich die Klassenschülerhöchstzahl von allgemein üblich 30 für zweisprachige Volksschulen auf 20 gesenkt wurde. Dieser Schritt der burgenländischen Landesregierung wurde von den Lehrern sehr begrüßt. Die Landesregierung könnte zu diesem Schritt aber auch durch die ständig sinkende Zahl an Volksschülern und die relativ hohe Anzahl an Volksschullehrern im Burgenland - allesamt Landesbedienstete - motiviert worden sein. Da die Lehrer zwar Landesbedienstete sind aber vom Bund bezahlt werden, wurde diese Praxis vom Bund heftigst kritisiert, der seit einiger Zeit versucht, die besonders hohen Personalkosten im Bildungsbereich zu senken.

Es gibt im Burgenland keine Volksschule mit Kroatisch als primärer Unterrichtssprache. Nur in einigen Schulen erfolgt der Unterricht zweisprachig, indem neben Deutsch auch Kroatisch als Unterrichtssprache eingesetzt wird. In den meisten Schulen jedoch wird Kroatisch als Zweitsprache für 3 Stunden pro Woche unterrichtet. Die Entscheidung liegt beim Lehrer und wird von der Dorfpolitik ebenso beeinflusst wie dem Fehlen von Unterrichtsmaterialien, der Unzulänglichkeit der Unterrichtsstandards und fehlenden Lehrplänen für den kroatischen Volksschulunterricht.

Völlig anders geregelt ist der Kroatischunterricht in Wien. Das österreichische Schulsystem bietet sogenannten Muttersprachlichen Zusatzunterricht für Kinder aus Immigrantenfamilien, im Zuge dessen - neben vielen anderen Sprachen - auch Kroatisch und/oder Serbokroatisch unterrichtet wird, um den Kindern zu helfen, dem Unterricht in der Schule folgen zu können und gleichzeitig ihre Kompetenz in der Muttersprache nicht zu verlieren. Diese Kurse werden völlig unabhängig vom kroatischen Minderheitenschulwesen organisiert. Über das Ausmaß des Kroatischunterrichtes im Rahmen diese Zusatzunterrichtes existieren keine Daten. Im Jahre 1999 besuchten 12.000 österreichische Kinder solche Kurse in Kroatisch, Serbisch, Bosnisch oder Serbokroatisch, davon alleine in Wien 6.840. Im Burgenland waren es nur 43.

Die Produktion kroatischsprachigen Unterrichtsmaterials in Österreich hat eine lange Geschichte und reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. Diese Unterrichtsmaterialien sind allerdings fast ausschließlich auf den kroatischen Sprachunterricht beschränkt und in vielen Unterrichtsfächern des österreichischen Curriculums gibt es einen deutlichen Mangel an Unterrichtsmaterialien in kroatischer Sprache. In letzter Zeit haben es sich mehrere kroatische Initiativen zur Aufgabe gemacht, diese Lücke zu schließen. Im Jahr 1998 wurde ein neuer Lehrplan implementiert, der einen viel flexibleren Unterricht ermöglicht. Gleichzeitig begann das Kroatische Kultur- und Dokumentationszentrum - ein privater Verein - in Zusammen-arbeit mit Lehrern aus zweisprachigen Schulen Unterrichtsmaterialien zu erarbeiten. Im Bereich des Volksschulunterrichts besteht aber noch ein deutlicher Mangel an zweisprachigen Unterrichtsmedien wie Filmen, Videos und computergestützten Materialien und Programmen.15



 

Sonderschulunterricht

Keinerlei Vorsorge trifft das Minderheitenschulgesetz für das Burgenland für die sogenannten Sonderschulen. Während der letzten zwei Jahrzehnte ließ sich im Burgenland allerdings eine wachsende Tendenz zur Integration von Sonderschulkindern in Regelschulklassen beobachten, meist mit Hilfe speziell ausgebildeter Begleitlehrer.



 

4. Sekundarschulunterricht

Der Sekundarschulunterricht beginnt in Österreich im Alter von 11 Jahren, nach einem vierjährigen Volksschulunterricht, und hat drei Hauptformen. Die allgemeine Form des Sekundarschulunterrichtes stellt die sogenannte Hauptschule dar, die 4 Jahre dauert und der in der Regel ein einjähriger Polytechnischer Lehrgang folgt, der die Aufgabe hat, die Schulabgänger auf ihren Abgang in den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Die zweite Form stellt die sogenannte Allgemeinbildende Höhere Schule oder Gymnasium dar, die ebenfalls in der fünften Schulstufe beginnt und 8 Jahre dauert. Sie führt die Schüler zur Matura, die die allgemeine Aufnahmevoraussetzung an alle österreichischen Universitäten darstellt. Die dritte Form des Sekundarschulunterrichtes sind die vierjährigen Berufsbildenden Mittleren Schulen sowie die Berufsbildenden Höheren Schulen. Letztere beginnen im Alter von 14 Jahren und führen in 5 Schulstufen ebenfalls zur Matura sowie zu einem Berufszertifikat, was den Schülern erlaubt, entweder an der Universität weiter zu studieren oder aber einen - meist technischen - Beruf zu ergreifen.

Die Wahl zwischen diesen Schulformen ist in ländlichen Gebieten meist durch die Verfügbarkeit der Schulformen und die Nähe des Wohnortes zum Schulstandort bestimmt. Im Burgenland gibt es zahlreiche Hauptschulen, während Allgemeinbildende Höhere Schulen und Berufbildende Höhere Schulen eher selten sind und meist weit voneinander entfernt sind.

Die Lehrpläne für die Hauptschulen und die ersten vier Klassenzüge der Gymnasien für Kinder im Alter zwischen 10 und 14 Jahren sind mehr oder minder parallel, um es den Abgängern der Hauptschule zu ermöglichen nach Beendigung derselben ihre Ausbildung im Gymnasium oder an einer Berufsbildenden Höheren Schule fortzusetzen. Gymnasien gelten in der Regel als anspruchsvoller und mehr akademisch orientiert, doch die Standards unterliegen von Region zu Region hohen Schwankungen, sodass es effektiv oft kaum feststellbare Unterschiede zwischen dem Ausbildungsniveau ruraler Hauptschulen und urbaner Gymnasien gibt.

Im Sekundarschulbereich ist zweisprachige Ausbildung im Burgenland nicht verpflichtend, so wie im Primarschulbereich. Stattdessen müssen sich Schüler gesondert dazu anmelden. Im Jahr 1999 gab es im gesamten Burgenland eine einzige Hauptschule die eine zweisprachige Ausbildung mit Kroatisch und Deutsch als Unterrichtssprache in allen Gegenständen anbot; daneben eine Hauptschule, die Kroatisch als Wahlpflichtfach offerierte und Unterricht in Deutsch und kroatisch in einzelnen Fächern. An diesen zwei Schulen waren 141 Schüler zum zweisprachigen Unterricht angemeldet. Daneben hatten an weiteren 9 Hauptschulen 102 Schüler Kroatisch als Freifach belegt. Das bedeutet, dass im Jahre 199 nur 243 Schüler ihren Unterricht in Kroatisch an der Hauptschule fortsetzten. Das entspricht einen Anteil von rund 70 Prozent der zweisprachigen Schulabgänger der Primarstufe im Burgenland. Im Jahr 2000 sank ihre Zahl auf 233, gleichzeitig aber wählten weiter 83 Schüler Kroatisch als Freifach an ansonsten monolingual deutschen Hauptschulen. Die Gesamtzahl der Schüler, die ihren Kroatischunterricht in irgend einer Form fortsetzten, stieg also insgesamt auf 316, was einen Anstieg von rund 30 Prozent bedeutet.



 

Kroatischunterricht an burgenländischen Hauptschulen

  Schulen Schüler 1999 Schüler 2000
zweisprachige Schulen 2 141 233
Kroatisch als Freifach 9 102 83
gesamt 11 243 316



 

Wie auch im Primarschulbereich beträgt die Klassenschülerhöchstzahl im zweisprachigen Unterricht 20 gegenüber den ansonsten üblichen 30 Schülern im monolingualen Unterricht.

Auch Wiener Hauptschulen bieten fallweise Kroatisch als Freifach an, aber dazu sind leider keine klaren Daten verfügbar.



 

Allgemeinbildende Höhere Schulen

Im Jahre 1991 gründete die Bundesregierung eine zweisprachige Allgemeinbildende Höhere Schule in Oberwart/Veliki Borta im Burgenland. Die Sekundarschule ist in zwei zweisprachige Klassenzüge geteilt, einen Deutsch-Kroatischen und einen Deutsch-Ungarischen. Zur Zeit besuchen 114 Schüler den Deutsch-Kroatischen Klassenzug, in dem alle Gegenstände in beiden Sprachen unterrichtet werden. Die Schule ist die einzige ihrer Art im Burgenland und wurde 37 Jahre nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages von 1955 errichtet, dessen Artikel 7 der kroatischen Minderheit im Burgenland "eine angemessene Zahl an Höheren Schulen" garantierte. Sieben weitere Allgemeinbildende Höhere Schulen bieten ebenfalls Unterricht in Kroatisch, wobei die Palette vom Wahlpflichtfach bis zum Freifach reicht. In den meisten Fällen beschränkt sich dieser Unterricht allerdings auf reinen Sprachunterricht. Im Jahr 1999 besuchten insgesamt 335 Schüler an burgenländischen Allgemeinbildenden Höheren Schulen irgend eine Form des Kroatischunterrichts. Verglichen mit 275 angemeldeten Schülern im Jahre 1998 entsprach dies einem Anstieg von 21,8 Prozent.



 

Kroatischunterricht an Allgemeinbildenden Höheren Schulen im Burgenland 1999

  Schulen Schüler
zweisprachige Allgemeinbildende Höhere Schulen 1 141
kroatischer Sprachunterricht 7 194
gesamt 8 335



 

Berufsbildende Mittlere und Höhere Schulen

Im Burgenland bietet nur eine einzige Berufsbildende Höhere Schule Kroatischunterricht als lebende zweite Fremdsprache an, ein Angebot von dem 70 Schüler Gebrauch machen. Da diese Schule im südlichen Landesteil des Burgenlandes gelegen ist, befindet sie sich 50 bis 100 Kilometer von den großen kroatischen Siedlungsgebieten des mittleren und nördlichen Burgenlandes entfernt, wo keine einzige Schule dieser Art irgend eine Art von Kroatischunterricht anbietet.



 

Unterrichtsmaterialien

Abgesehen vom reinen Sprachunterricht fehlen Unterrichtsmaterialien in kroatisch für so gut wie alle Gegenstände. Lehrer an zweisprachigen Schulen müssen ihre Unterrichtsmaterialien selbst erstellen oder benützen Bücher aus der Republik Kroatien. Da jedoch das im Burgenland gesprochene Kroatisch bedeutend von dem in der Republik Kroatien gesprochen Hochkroatisch abweicht, und da auch die Lehrpläne der beiden Länder sich in vielen Bereichen nicht decken, ist diese Option nur von begrenztem Nutzen.



 

5. Berufsbildung

Die Berufsbildung, die in Österreich nach der Vollendung des 9. Jahres der Pflichtschulausbildung einsetzt, ist in einem dualen System organisiert und beinhaltet eine dreijährige Ausbildung an einem Arbeitsplatz, kombiniert mit theoretischer Ausbildung in speziellen Schulen, die mit der sogenannten Berufslehre alternierend abgehalten wird. Keine der Berufschulen im Burgenland oder in Wien bietet irgend eine Form des Unterrichts in Kroatisch oder kroatischen Sprachunterricht für ihre Schüler.



 

6. Hochschulbildung

An allen 17 Universitäten, Kunst- und Technischen Hochschulen Österreichs sowie an allen neu ins Leben gerufenen Fachhochschulen ist die Unterrichtssprache Deutsch. Kroatisch als Sprache kann an zwei Instituten für Slawistik und mehreren Dolmetschinstituten studiert werden. Zwei Universitätsinstitute bieten auch Lehramtsstudien für Kroatischlehrer an Allgemeinbildenen Höheren Schulen an.

Am Fachhochschulstudienlehrgang für Internationale Wirtschafts-beziehungen in Eisenstadt/Zeljezno ist die Belegung einer osteuropäischen Sprache verbindlich. Im Jahre 2000 studierten 14 Höhrer Kroatisch, als eine der neben Ungarisch, Slowakisch, Russisch und Tschechisch angebotenen Sprachen.



 

Lehrerausbildung

Die Ausbildung der Kindergärtnerinnen und Kindergärtner erfolgt an eigenen, dem Bundesministerium für Unterricht unterstellten Ausbildungsanstalten. Nur eine dieser Einrichtungen bietet eine Ausbildung für deutsch-kroatische Kindergartenbetreuung als Freifach an.

Lehrer der Volks- und Hauptschulen werden an eigenen, ebenfalls dem Bundesministerium für Unterricht unterstellten Pädagogischen Akademien ausgebildet, die im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern keinen Universitäts- oder Hochschulstatus haben. Lehrpersonal für den zweisprachig deutsch-kroatischen Unterricht an diesen beiden Schulformen wird in Eisenstadt/Zeljezno ausgebildet. Weder in Wien noch anderswo in Österreich gibt es weitere solche Ausbildungsmöglichkeiten.

Die Lehrer des Sekundarschulbereiches werden in Österreich auf Universitätsebene ausgebildet. Während als auch nach Absolvierung ihres Studiums arbeiten sie als Praktikanten an verschiedenen Schulen, bevor sie endgültig in den Schuldienst übernommen werden. Diese Praktika stellen einen integralen Bestandteil des Studiums dar und sind eine Vorbedingung für die Ablegung der Lehramtsprüfung.

Praktika und Weiterbildungsseminare für Kroatischlehrer aller Schulstufen werden vom Pädagogischen Institut des Bundes in Eisenstadt/Zeljezno in unregelmäßigen Abständen organisiert. Spezielle Ausbildungsangebote im Bereich der bilingualen Erziehung und des interkulturellen Lernens werden von der Universität Klagenfurt in Kärnten als außerordentliche Hochschulkurse angeboten. Auch die Pädagogische Akademie des Bundes in Eisenstadt/Zeljezno und die Pädagogische Akademie Wien haben solche Kurse im Bereich der interkulturellen Erziehung in ihrem Programm.



 

7. Erwachsenenbildung

Im Bereich der Erwachsenenbildung ist das Bildungsangebot breit gefächert. Verschiedene öffentliche, private Minderheiten- und kirchliche Institutionen bieten nach eigenem Gutdünken Fortbildungskurse und Seminare an, die in der Regel nicht mit dem Erwerb formal akkreditierter Qualifikationen verbunden sind.

Für die kroatischsprachige Bevölkerung des Burgenlandes gibt es zwei Erwachsenenbildungseinrichtungen. Die wichtigste davon, die Volkshochschule der Burgenländischen Kroaten (Hrvatska Narodna Visoka Skola) bietet eine Vielzahl von Vorträgen und Kursen zur Geschichte und Kultur der burgenländischen Kroaten, manche davon in Deutsch, die meisten in Kroatisch, manche aber auch bilingual. Ein ähnliches Profil hat das Bildungswerk der Burgenländischen Kroaten (Drustvo za obrazovanje Gradiscanskih Hrvata). Aber auch der Kroatische Kulturverein (Hrvatsko Kulturno Drustvo) organisiert Erwachsenenbildungsprogramme, ebenso wie die private Einrichtung Kulturna zadruga KUGA in Großwarasdorf/Veliki Boristof. Letztere konzentriert sich dabei vor allem auf die Interessen und Bedürfnisse der kroatischsprachigen Jugend und junger Erwachsener. Die Aktivitäten dieser Einrichtungen werden teils vom Bundesministerium für Unterricht, teils vom Bundeskanzleramt und teilweise von der Burgenländischen Landesregierung finanziert. Sämtliche dieser Einrichtungen haben seit 1995 wiederholt an EU-Programmen teilgenommen und auch Förderungen für bestimmte Projekte aus EU-Geldern erhalten.

Vor einigen Jahren hat die Burgenländische Forschungsgesellschaft mit finanzieller Unterstützung der EU einen multimedialen Konversationskurs für Kroatisch erarbeitet, der sich vor allem an Interessierte aus der deutschsprachigen Bevölkerung des Burgenlandes wendet.



 

8. Bildungsforschung

Die Bildungsforschung wird entweder vom Bundesministerium für Unterricht oder aber von in einigen Bundesländern eigens eingerichteten, sogenannten Schulentwicklungszentren abgewickelt. Zur Evaluierung des kroatischsprachigen Bildungswesens im Burgenland wurden vom Kroatischen Kultur- und Dokumentationszentrum und der Volkshochschule der Burgenländischen Kroaten - in Kooperation mit dem Landesschulrat sowie Bildungsforschern aus Wien und Klagenfurt - zwei große Studien durchgeführt. Die Bildungsforschung zu speziellen Bedürfnissen österreichischer Sprachminderheiten nahm in den 1980-er Jahren einen großen Aufschwung. Besonders die Universität Klagenfurt entwickelte sich zu einem international anerkannten Forschungs- und Ausbildungszentrum für interkulturelle Studien und Unterrichtsdidaktik. In den letzten Jahren wurden hier zahlreiche Diplomarbeiten und Dissertationen zu Fragen der deutsch-kroatischen bilingualen Erziehung verfasst. Im internationalen Vergleich jedoch bleibt Österreich mit seinen vielen Sprachminderheiten weit hinter den Aktivitäten anderer europäischer Länder zurück. Charakteristisch ist vor allem das Fehlen koordinierter Grundlagen-forschungen zu Bildungsfragen bilingualer Bevölkerungsgruppen und den Minderheitenbildungsprogrammen.



 

9. Perspektiven

Die größte Aufgabe für die Zukunft stellt zweifelsohne die Erarbeitung eines integrierten bilingualen Bildungskonzeptes für alle Schulstufen dar, die, von der Ausbildung des Kindergartenpersonals über die Lehrerbildung des Primar- und Sekundarschulbereiches, auch die Fragen der Unterrichts-materialen mit einschließt.

Das Hauptproblem der deutsch-kroatischen zweisprachigen Erziehung im Burgenland aber ist zweifelsohne die rapide schwindende Sprach-kompetenz der Kinder bei Schulantritt. Sogar in zweisprachigen Volksschulen hat der kroatische Unterricht heute am ehesten den Charakter eines Fremdsprachunterrichts. Im Jahre 1999 hatten nur 24 Prozent der Schulanfänger in deutsch-kroatischen zweisprachigen Volksschulen Kroatisch als Muttersprache. Nach dem Übertritt aus dem verbindlichen bilingualen Unterricht der Primarstufe - von dem man sich zwar abmelden kann, was in der Regel aber kaum vorkommt - wechseln die Schüler in den zweisprachigen Gebieten des Burgenlandes in ein Sekundarsystem, in dem man sich zum Kroatischunterricht extra anmelden muss. Nach diesem Übertritt sinken die Teilnahmezahlen am bilingualen Unterricht drastisch. Besonders im Bereich der Berufsschulen und der Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen ist die Situation äußerst unbefriedigend. Während noch 12 Prozent der burgenländischen Schulanfänger ihren Primarschulunterricht in deutsch-kroatisch zweisprachigen Klassen absolvieren, nehmen im Sekundarbildungsbereich nur mehr 3,1 Prozent der burgenländischen Schüler am bilingualen Unterricht teil. Demographische Erhebungen zeigen, dass das soziale Profil der kroatischsprachigen Bevölkerung des Burgenlandes bereits durch eine Überalterung der aktiven Sprecher der Minderheitensprache charakterisiert ist. Um der deutlich erkennbaren sprachlichen Assimilation der jüngeren Generation entgegenzuwirken, wird es in Zukunft einer fokussierten Sprach- und Bildungsstrategie bedürfen.



 

Überblicksstatistik Kroatischunterricht im Burgenland

Bildungsform Schulen Schüler
Kindergarten 27 600
Zweisprachige Volksschulen 29 1464
Hauptschulen 11 316
Allgemeinbildende Höhere Schulen 5 335
Mittlere und Höhere Berufsbildende Schulen k. A. 70
Berufsbildung k. A. k. A.

Die Angaben beziehen sich auf die letzten verfügbaren Daten aus den Schuljahren 1999 oder 2000.

 

Literatur

Gerhard Baumgartner, 6 X Österreich, Geschichte und aktuelle Situation der Volksgruppen, Drava Verlag, Klagenfurt 1995.

Klaus-Börge Boeckmann, Zweisprachigkeit und Schule. Zur Schullaufbahn von Zweisprachigen im Burgenland, Phil. Diss., Univ. Klagenfurt, Klagenfurt 1994.

Bundeskanzleramt der Republik Österreich, Bericht der Republik Österreich gemäß Artikel 25 Abs.1 des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten, Wien 2000.

Stefan Geosits, Ed., Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeiten, Edition Tusch, Wien 1983.

Werner Holzer und Rainer Münz, Eds., Trendwende. Sprache und Ethnizität im Burgenland, Passagen Verlag, Wien 1993

Werner Holzer, Ulrike Pröll, Eds., Mit Sprachen leben. Praxis der Mehrsprachigkeit, Drava Verlag, Klagenfurt 1994.

Anne Kathrin Hänel, Petruska Krcmarova und Dietmar Larcher, Evaluation des zweisprachigen Schulwesens im Burgenland /Dvojezično ?kolstvo u Gradi?ću, Landesschulrat für das Burgenland, Eisenstadt/Zeljezno 1997

Andrea Kaiser, Zweisprachige Volksschulen im Burgenland, Phil. Diss., Univ. Klagenfurt, Klagenfurt 1995.

Dieter Kolonovits, Sprache in Österreich, Manz Verlag, Wien 2000

Kroatisches Kultur und Dokumentationszentrum, Ed., Warum nicht? Argumente für die Zweisprachigkeit in der Schule /Zać ili za?to ne? Argumenti za dvojezično ?kolstvo, Eisenstadt 1998.

Österreichisches Volksgruppenzentrum, Volksgruppenreport 2000, Wien 2000

Österreichisches Volksgruppenzentrum, Internationales und Europäisches Volksgruppenrecht, Wien 1995.

 

Adressen

Kroatische Organisationen

Kroatischer Kulturverein / Hrvatsko Kulturno Dru?tvo
A - 7000 Eisenstadt / Zeljezno, DR. Lorenz Karall Straße 23
http://www.hkd.at/

Kroatisches Kultur und Dokumentationszentrum / Hrvatski kulturni i dokumentarni centar
A - 7000 Eisenstadt / Zeljezno, Permayerstraße 3/3

Kroatisch Burgenländischer Kulturverein in Wien / Hrvatsko Gradiscansko Kulturno Drustvo u Becu
A - 1040 Wien/Beć, Schwindtgasse 14
http://www.hrvatskicentar.at/english

Volkshochschule der burgenländischen Kroaten / Hrvatska narodna visoka ?kola
A - 7000 Eisenstadt / Zeljezno, Pfarrgasse 10

Bildungswerk der Burgenländischen Kroaten / Dru?tvo za obrazovanje Gradi?ćanskih Hrvata
A - 7061 Traisdorf / Traj?tof, Weinberggasse 11.

Österreichischer Rundfunk - ORF, Volksgruppenredaktion
http://volksgruppen.orf.at/

Kroatische Wochenzeitung Hrvatske Novine
http://www.hrvatskenovine.at/

Abteilung für Minderheitenschulwesen des
Burgenlandischen Landesschulrates

Mag. Edith Mühlgassner
Landesschulrat für das Burgenland
A - 7000 Eisenstadt / Zeljezno, Kernausteig 3.

 

Fußnoten

1 Bundeskanzleramt der Republik Österreich, Bericht der Republik Österreich gemäß Artikel 25 Abs.1 des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten, Wien 2000.
[zurück]

2 Österreichisches Volksgruppenzentrum, Volksgruppenreport 2000, Wien 2000.
[zurück]

3 Die offiziellen Volkszählungsdaten für Österreich beinhalten sowohl Kroaten aus dem Burgenland als auch Immigranten aus den Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien, die sich seit 1960 in großer Zahl in Österreich niedergelassen haben. Ihre Zahl stieg besonders nach dem Ausbrechen kriegerischer Handlungen auf dem Balkan drastisch an. Viele von ihnen sind heute österreichische Staatsbürger. Zur Zeit leben 384.000 frühere jugoslawische Staatsbürger in Österreich, etwa 140.000 mehr als im Jahre 1991. Nicht enthalten in diesen Zahlen sind nicht dauerhaft in Österreich lebende Personen wie Studenten, Flüchtlinge oder illegale Immigranten, deren Anzahl derzeit auf rund 200.000 Personen geschätzt wird.
[zurück]

4 Österreichisches Volksgruppengesetz vom 7. Juni 1976, BGBl. Nr.196/1976.
[zurück]

5 Verordnung der Bundesregierung vom 24.4.1990 über die Bestimmung der Gerichte, Verwaltungsbehörden und sonstiger Dienststellen, vor denen die kroatische Sprache zusätzlich zur deutschen Sprache als Amtssprache zugelassen wird, BGBl. Nr. 231/1990.
[zurück]

6 Topographieverordnung Burgenland, BGBl. Nr.107/2000.
[zurück]

7 Mikrozensus für das Burgenland 1990/91, siehe dazu: Werner Holzer und Rainer Münz, Eds., Trendwende. Sprache und Ethnizität im Burgenland, Wien 1993, 19.
[zurück]

8 Burgenländisches Pflichtschulgesetz 1995, Bgld. LGBl. 36/1995.
[zurück]

9 12. Schulorganisationsnovelle 1990.
[zurück]

10 Burgenländisches Langesschulgesetz 1937, Bgld. LGBl. 40.
[zurück]

11 Minderheitenschulgesetz für das Burgenland, Bgld. LGBl. 202/1994.
[zurück]

12 Anne Kathrin Hänel, Petruska Krcmarova und Dietmar Larcher, Evaluation des zweisprachigen Schulwesens im Burgenland /Dvojezicno skolstvo u Gradiscu, Eisenstadt/Zeljezno 1997, 165-166; Österreichisches Volksgruppenzentrum, Volksgruppenreport 1997, Wien 1998, 114-115.
[zurück]

13 Novelle zum Burgenländischen Kindergartengesetz 1989, Bgld. LGBl. 7/1990, Burgenländisches Kindergartengesetz 1995, Bgld. LGBl. 35/1995.
[zurück]

14 Minderheitenschulgesetz für das Burgenland, Bgld. LGBl. 202/1994.
[zurück]

15 Anne Kathrin Hänel, Petruska Krcmarova und Dietmar Larcher, op.cit., 136.
[zurück]



http://www.ned.univie.ac.at/publicaties/broschueren/europregio/baumgartner.htm