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SS 2002

Branko Tošović

Phonetik und Phonologie des Serbokroatischen

515.001 Vorlesung
SE, 2 St., evtl. Voraussetzungen zum Besuch der Veranstaltung: Serbokroatisch-
Arbeitsform(en): Offene Vorlesung mit Möglichkeit zu Fagen und zur Diskussion.

Inhaltliche Beschreibung (Ziele):

Die Phonetik ist eine Naturwissenschaft auf der Grundlage von Anatomie, Physiologie, Physik (Akustik) und Mathematik. Ihre Aufgabe ist die materielle Analyse sprachlicher Äußerungen bzw. Laute als eine der Grundlagen a) der theoretischen Linguistik und Dialektologie und b) für die Lösung praktischer Probleme in der Patholinguistik, Sprach­didaktik und Computerlinguistik. Aus dem jeweiligen Ort im Kommunikationsprozeß (Sprecher - Text – Hörer) ergeben sich 3 Teilgebiete der Phonetik mit verschiedenen Aufgaben:

  1. Die artikulatorische Phonetik beschreibt die Produktion der Laute, und zwar nach Artikulationsart und -ort.
  2. Die akustische Phonetik beschreibt die Laute nach ihren physikalischen Eigenschaften: Dauer, Frequenz, Intensität. Sie erstellt z.B. nach dem Visible-Speech-Verfabren mit Hilfe des Sonagraphen Sonagramme, ist also von aufwendigen technischen Hilfsmitteln abhängig.
  3. Die auditive Phonetik untersucht die Rezeption und Analyse sprachlicher Zeichen durch Ohr, Nervenbahnen und Gehirn.

Die Phonologie wurde von N. S. Trubetzkoy (Präger Schule) als Teilgebiet der Linguistik begründet. Im Gegensatz zur Phonetik, die die Art der Sprachlaute untersucht, befaßt sich die Phonologie oder Phonemik nur mit der Funktion, die diese erfüllen. Für Trubetzkoy hatten die Laute 3 Funktionen zu erfüllen: 1) gipfelbildende ( kulminativ), 2) abgrenzende ( deliminativ), 3) bedeutungsunterscheidende ( distinktiv). Distinktion setzt allerdings Opposition voraus. Es gibt zweierlei Art: Die Opposition in / liebt / - / liebte / ist relevant, die Opposition in /dem Mann / — /dem Manne/ ist irrelevant (oder redundant). R. Jakobson hat 12 binäre phonologische Oppositionen aufgestellt, die universale Gültigkeit haben. Andre Martinet weist der Phonologie die Erforschung der sogenannten (zweiten Gliederungebene) zu, deren Funktion lediglich die Unterscheidung, aber nicht die Repräsentierung der Bedeutungen ist.

In dieser Vorlesung sollen wichtigen Grundkenntnisse über die Phonetik und die Phonologie der Serbokroatischen (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) vermittelt werden. Im Zentrum der Vorlesungen werden folgende Fragen stehen.

Die Phonetik:

  • Laute, Phonema und Buchstaben.
  • Transkription und Transliteration.
  • Bildung der Laute.
  • Klassifizierung der Laute.
  • Vokal und Konsonant.
  • Physikalisch-akustische Eigenschaften der Laute.
  • Wortbetonung.

Die Phonologie:

  • Aufgaben die Phonologie.
  • Das Phonem.
  • Distinktive Merkmale des Phonems.
  • Begriff der Opposition und die Neutralisation.

Die Akzentologie:

  • Das System der serbokroatisches Akzents

Die Orthoepie:

  • Orthoepische Normen und Standardlautung.

Die grammatischen Kategorien der slawischen Sprachen

Veranstaltungstyp: Seminar (SE), 2st.
evtl. Voraussetzungen zum Besuch der Veranstaltung: Russisch-, Serbokroatisch-, Slowenischkenntnisse
Arbeitsform(en): Referate und Diskussion

Inhaltliche Beschreibung (Ziele):

Die Kategorien stellen grundlegende Einteilungen dar, sie sind Klassenbegriffe, die austauschbare Elemente enthalten. Kategorien sind klassifizierender , nicht relationaler Natur. Man unterscheidet Wortartkategorien und grammatische Kategorien , die sich u. a. in der Flexion ausdrücken (Tempus, Modus, Numerus usw.). Das Sprachsystem enthält neben Lauten und individuellen, in Lexemen verkörperten lnhalten eine Reihe von grammatischen Kategorien , die man sich als Koordinaten für die Einordnung der sprachlichen Äußerungen in die Redesituation und den Redekontext vorstellen mag. Eine grammatische Kategorie ist eine Klasse/ Gattung/Gruppe linguistischer Einheiten, die durch bestimmte, formal-grammatisch gekennzeichnete Eigenschaften konstituiert wird. Nach L. Hjelmslev (1928) ist der Gegenstand grammatischer Untersuchung nicht das Bewußtsein selbst, sondern der Ausdruck, der den Inhalt des Bewußtseins mitteilt. Die Grammatik gründet sich auf die Idee des Zeichens, und eine »Kategorie, die nicht auf Form­kriterien beruht«, ist keine grammatische Kategorie. Man unterscheidet dabei syntaktische ( Kasus ), deiktische ( Person , Numerus , Tempus ) und semantische Kategorien : diese unterscheiden sich wiederum in inhärente / adjungierte Kategorien . Sie werden durch Subkategorisierung gewonnen. Neben den traditionellen führt die Transformationsgrammatik noch weitere ein ( belebt / menschlich / zählbar ...).

Die grammatischen Kategorien wurden im Zusammenhang mit der Flexion eingeführt. In Sätzen kommen flektierbare Wörter immer in einer flektierten Wortform vor. Man unterscheidet die Deklination der nominalen Wörter und die Konjugation der Verben.

In der Deklination werden nominale Wörter und nominale Gruppen flektiert; der Kasus gibt dabei die grammatische Funktion an: Nominativ zeigt Subjektfunktion, Prädikatsnomen oder Apposition an; Akkusativ und Dativ zeigen Objektfunktion, manchmal adverbielle Bestimmung bei entsprechender Raum, Zeit oder Umstände betreffender Bedeutung (anders allerdings bei kasusregierenden Präpositionen) an; Genitiv zeigt Attribut, seltener Objekt oder adverbielle Bestimmung an.

Das Genus (grammatische Geschlecht) zeigt Unterklassen der Nomina bzw. der sie vertretenden Pronomina an, der Numerus Anzahlverhältnisse; bei beiden gilt für die nominale Gruppe die Kategorie des Nomens bzw. vertretenden Pronomens.

Der Numerus und die Person (1., 2., 3.) des Subjektes und der danach so genannten Personalform des finiten Verbs müssen übereinstimmen.

Die Modalität wird durch die Konjugation des Verbs (Modus) oder durch Modalverben ausgedrückt, letztere sind für die verbale Klammer von Bedeutung. Modale Aussagen können auch durch adverbielle Bestimmungen der Art und Weise verstärkt und differenziert werden. Vgl.: Er sagte, er käme. (Konjunktiv zeigt Möglichkeit und Zitat an). Ersagte, er käme vielleicht. (Möglichkeit verstärkt und in Frage gestellt durch das vielleicht).

Das Tempus, das zeitliche Verhältnisse der Aussagen angibt, wird durch Verbformen, häufig durch umschriebene Verbformen (verbale Klammer) und durch adverbielle Bestimmungen ausgedrückt, die häufig das Tempus erst präzisieren, etwa das unmarkierte Tempus auf Gegenwart oder Zukunft hin festlegen, vgl. Ich komme jetzt. - Ich komme morgen.

Die genera verbi des Aktivs und Passivs bewirken, daß der Täter (Handelnde, Geschehnisträger) im Aktivsatz als Subjekt erscheint, während er im Passivsatz entfallen kann (täterabgewandtes und täterloses Passiv); der oder das vom Geschehen Betroffene steht im Aktivsatz im Akkusativ als Objekt, im Passivsatz im Nominativ als Subjekt. Vergleiche: Der Ober zerbricht den Pokal (Aktiv); - Der Pokal wird zerbrochen (täterloses Passiv); - Der Pokal wird von dem ober zerbrochen (täterabgew. Passiv)

Die Aktionsarten schließlich können bewirken, daß Verben ihre Valenz wechseln und z. B. ein Akkusativobjekt verlangen, evtl. statt eines präpositionalen oder anderen Objekts; vergleiche: Die Sonne scheint. Die Sonne bescheint Arme und Reiche. (Akkusativobjekt) Ich trete in das Zimmer, (präp. Obj. bzw. Raumergänzung) Ich betrete das Zimmer. (Akkusativobjekt).

Die Verbindung zwischen der Morphologie als Ausdruck grammatischer Kategorien und der Syntax ist so eng, daß es gerechtfertigt erscheint, beide Bereiche zusam­men als Morphosyntax zu fassen, wie das nicht wenige tun.

Die Figuren in der slawischen Sprache

Veranstaltungstyp: Seminar (SE), 2st.
evtl. Voraussetzungen zum Besuch der Veranstaltung: Russisch-, Serbokroatisch-, Slowenischkenntnisse
Arbeitsform(en): Referate und Diskussion

Inhaltliche Beschreibung (Ziele):

Die Figur ist eine besondere stilistische Wendung. Sie ist von der normalen Sprechweise abweichende sprachliche Form, die als Stilmittel eingesetzt wird. Die Stilfigur oder rhetorische Figur ist a) die Figur der gedanklich­sprachlichen Darstellung, die lexisch oder syntaktisch von der üblichen Ausdrucksweise abweichen, b) die Figur, die sich durch ihre besondere syntaktische Stellung oder durch originelle Verbindung ihrer Einzelglieder auszeichnen.

Zu den Figuren werden folgende syntaktische Besonderheiten mit kommunikationspsychologischen Intentionen gezählt.

Die Amplifikation - gedankliche Steigerung, im Dienst der künstlerischen oder publizistischen Aussageabsicht stehend. Der Amplifikation dienen Akkumulation, Antithese, Aufzählung, Detaillierung, Periprase, Synonimie, Vergleich, z.B. Akkumulation mit Schlußzusammenfassung: Die Teller und die Gläser, allse war sauber.

Die Anadiplose - die Sonderform der wörttlichen Wiederholung, Sonderform der Epanalepse. Das letzte Wort einer syntaktischen Einheit (eines Satzes) wird als erstens sinntragendes Wort in der folgenden Einheit wieder aufgenommen: "Der Mensch lebt durch den Kopf, Der Kopf reicht ihm nicht aus" (Brecht). "Wenn Sie jetzt nichts tun, tun Sie genau das Richtige" (Reklame)

Das Anakoluth oder Satzbruch - die Veränderung der Satzkonatruktion; Abweichen vom ursprünglichen und z.T. schon ausgeführten Satzplan während der Formulierung des Satzes; Satzfügung, die aus der begonnenen Konstruktion herausfällt; "Der Mann im Turmbau, der über seinen schwarzen Bart stricht während er sich verneigte, sie erwartete ihn seit acht Tagen." (H. Mann.)

Die Anapher - die Wiederholung des Anfangswortes in aufeinanderfolgenden Sätzen, Versen, Strophen: "Ihr unsterblichen Seelen. Ihr, die nicht von dieser Welt seid. Ihr, Weltoffenen." (Handie)

Die Antiklimax - die Steigerung vom stärkeren zum schwächeren Ausdruck hin; Aufzählung in fallender Linie:

"Und um den Papst zirkulieren die Kardinäle.
Und um die Kardinäle zirkulieren die Bischöfe.
Und um die Bischöfe zirkulieren die Sekretäre.
Und um die Sekretäre zirkulieren die Stadtschöffen.
Und um die Stadtschöffen zirkulieren die Handwerker.
Und um die Handwerker zirkulieren die Dienstleute.
Und um die Dienstleute zirkulieren die Hunde,
die Hühner und die Bettler".
(Brecht)

Ellipse

Die Epipher - die Umkehr der Anapher, die Wiederholung desselben Wortes oder derselben Wortgruppe am Ende mehrerer aufeinanderfolgender, parallel gebauter Satzglieder, Sätze oder größerer Redeinheiten. "Ansahen sich die Männer von Mahagonny, Ja, sagten die Männer von Mahagonny. “ (Brecht)

Die Inversion - die Umstellung von Satzgliedern, abweichend vom normalen grammatischen Gebrauch: "Wie kann aber ein neuer Gedanke ein normativer sein gleichzeitig?" ( Kipphardt)

Das Isokolon – die gleiche Worte annähernd gleicher Silbenzahl stehen vor gleich geordneten Sätzen oder Satzteilen. "Muscheln, Muscheln, blank und bunt, Findet man als Kind. Muscheln, Muscheln, schlank und rund, Darin rauscht der Wind. " (Borchert)

Die Klimax - die kunstvolle Steigerung vom schwächeren zum stärkeren Ausdruck hin: "Er wußte, wenn man immer geradeausf geht» kommt man nach Tagen, Wochen, Monaten und Jahren aa denselben ort zurück. - (Bichsel)

Der Parallelismus - 1. Stilfigur, ähnlich dem Isokolon, je­doch auf Sätze bezogen, charakterisiert durch Wortwiederholung (tautologisch oder antithetisch) oder parallele Phrasen- und Satzgestaltung: "Sie hören weit. Sie sehen fern" (Kästner). 2. jedes Äquivalenzprinzip in Lautung, Bedeutung und Konstruktion: "Heiß ist die Liebe, kalt ist der Schnee". "Gottes ist der Orient! Gottes ist der Okzident'". (Goethe)

Die Wiederholung - die Häufung des Gleichartigen (Akkumulation, Amplifikation, Anadiplose).

Zeugma