Uni Graz > Geisteswissenschaftliche Fakultät > Institut für Slawistik
 
Font size:      

Affrikate

Eine Affrikate (auch Affrikata; Pl.: Affrikaten) ist die Bezeichnung für eine enge Verbindung eines Plosivs (Verschlusslaut) mit einem homorganen Frikativ (Reibelaut) derart, dass die Plosion direkt in den Frikativ übergeht.

In einigen Sprachen unterscheiden sich Affrikaten von gewöhnlichen Sequenzen aus Plosiv und homorganem Frikativ, z. B. im Polnischen . Der Unterschied besteht darin, dass in der Sequenz aus Plosiv und Frikativ ersterer vollständig ausgesprochen wird, also mit eigener Plosion (bzw. release oder Lösung ), bevor der Frikativ gebildet wird. Bei einer Affrikate hingegen fehlt eine Plosion, da die Lösung des plosivischen Teils direkt in den frikativischen Teil übergeht.

Beispiel: Polnisch cz ysta [ ˈt͡ʃɨsta ] 'saubere (f.)' vs. trz ysta [ ˈtʃɨsta ] 'dreihundert'.

Nach dem Internationalen Phonetischen Alphabet werden Affrikaten mit einem Bogen über Plosiv und Frikativ dargestellt, z. B. / p͡f t͡s d͡ʒ /. Oft wird dieser Bogen jedoch einfach weggelassen, z. B. / pf ts dʒ /.

Für einige Affrikaten stehen spezielle Ligaturen zur Verfügung, nämlich / ʦ ʣ ʧ ʤ ʨ ʥ /.

Bisweilen werden auch andere Konventionen verwendet, so oft in der Dialektologie , z. B. /č c ǰ/ für / t͡ʃ t͡s d͡ʒ /.

Entstehung der Affrikaten /ts/, /pf/ und /kχ/ im Deutschen und seinen Dialekten

In der 2. oder hochdeutschen Lautverschiebung sind die germanischen Fortis -Plosive [ t p k ] unter bestimmten Bedingungen zu den Affrikaten /ts/, /pf/ und /kχ/ geworden. Sie hat jedoch nur die mittel- und süddeutschen Dialekte erfasst und ist auch nicht überall im gleichen Maß durchgeführt worden (/kχ/ hat sich im Hochdeutschen nicht durchsetzen können).

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Affrikate