Uni Graz > Geisteswissenschaftliche Fakultät > Institut für Slawistik
 
Font size:      

Barbara Štebih, Zagreb

Germanismen im Kroatischen und im Serbischen

Mr. Barbara Štebih
Institut za hrvatski jezik i jezikoslovlje Zagreb
bstebih@ihjj.hr

21. März (Dienstag) 2006
12,00-13,00
UR 1.224 Merangasse 70

Godina i mjesto rođenja: 1974., Zagreb
Zvanje: asistent
Obrazovanje: 1998., diploma Filozofskoga fakulteta Sveučilišta u Zagrebu
Magistarski rad: Glagolski germanizmi u Rječniku hrvatskoga kajkavskog književnog jezika , 2004.
Područja interesa: proučavanje teorije jezika u kontaktu (njemački – hrvatski)

Odabrana bibliografija:

  • Magistarski rad: Glagolski germanizmi u Rječniku hrvatskoga kajkavskog književnog jezika , 2004.
  • Nazivi za vrste riječi u hrvatskome kajkavskome književnom jeziku , Rasprave Instituta za hrvatski jezik i jezikoslovlje 30, Zagreb, 2004.
  • Adaptacije germanizama u iločkom govoru , Rasprave Instituta za hrvatski jezik i jezikoslovlje 29, Zagreb, 2003.
  • Germanizmi u zagrebačkom govoru , Kaj 5/6, Zagreb 2002.
  • Aneksni rječnik Ignaca Kristijanovića , Filologija 38/39, Zagreb 2002.
  • Vojni terminološki germanizmi u Rječniku hrvatskoga kajkavskoga književnog jezika , “Rasprave Instituta za hrvatski jezik i jezikoslovlje”, 26, Zagreb 2000, 245-260.
Barbara Štebih

1. Geschichtlicher Rahmen des Sprachkontaktes

1. 1. Deutsch-kroatischer Sprachkontakt

Seit dem Ende des 12. Jh. kann die Rede von einer kontinuirlichen Kolonisation der kroatischen Länder durch deutschsprachige Einwanderer sein. So genannte hospites wurden von dem König mit zahlreichen Privilegien ausgestattet.

Nach der Zerstörung Agrams durch die Tataren im Jahr 1242, berief der König Bela IV weitere Kolonisten, die bei dem Wiederaufbau der Stadt helfen sollten. Da die meisten der Einwanderer Handwerker waren, drangen in diesem Zeitraum ins Kroatische Germanismen, die Berufe, handwerkliche Technologien oder Werkzeuge bezeichnen ( ceh, dreksler, , moler, pintar, šnajder, šprengler, šuster, vandrati, verkštat ).

Die Beziehungen zwischen den kroatischen und deutschsprachigen (präziser österreichischen) Ländern wurden noch intensiver nach dem Jahr 1527, als der Erzherzog Ferdinand I von Habsburg zum kroatischen König gewählt wurde.

Zu den intensiveren kulturellen und literarischen Einflüssen kommt es zur Zeit der Reformation und Gegenraformation, als zahlreiche Werke vom Deutschen ins Kroatische übersetzt worden sind. Meistens abstrakte Begriffe, für die es im Kroatischen keine Äquivalente gab, wurden einfach übernommen ( almožno, kloštar, ofar ).

Als Schutzwand gegen die immer bedrohlicher werdende türkische Gefahr wird im 16. Jh. die Militärgrenze gegründet, in der das Deutsche die Befehlssprache war. Sprachlicher Denkmäler aus jener Zeit sind Lehnwörter wie befel, bermati, capfenštrajh, feldmaršal, feldvabel, halaparda, muštrati. Die Grenze hatte neben der militärischen für Kroatien noch eine weitere Bedeutung − nach dem Vorbild des österreichischen Bildungswesens wurden zahlreiche Schulen geöffnet. Im Jahr 1848 hatte fast jedes Dorf eine eigene Schule, wo der Unterricht nach dem österreichischen Programm gehalten wurde. In ihnen wurden auch prominente Kroaten wie Dichter Petar Preradović oder Josip Jelačić geschult.

Nach dem Frieden von Passarowitz kommt es zu einer ogranisierten Kolonisation von durch die Türken verwüsteten Slawonien, Syrmien, Banat und Bačka. Einwanderer, von der einheimischen Bevölkerung dunavski Švabe ( Donauschwaben ) genannt, kommen aus Franken, Lothringen, Oberrhein, Schwaben, Tschechien, Mähren und Österreich.

Ein Blick auf das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Agram gibt uns ein Bild von der Intensität und Wichtigkeit des österreichischen Einflußes. In der kroatischen Hauptstadt gab es im Zeitraum von 1749 bis 1860 ausschließlich deutsche Theatervorstellungen. Man führte meistens ins Kroatische übersetzte Werke deutscher Autoren auf. Die erste kroatische, im Jahr 1789 erschienene Zeitung, Der kroatische Korrespondent , war, wie aus dem Namen ersichtlich ist, eine deutschsprachige Zeitung, wie auch die national-kroatische Croatia. 1912 erscheinen in Kroatien 62 deutsche Zeitschriften.

Obwohl nach dem Zerfall der Monarchie Beziehungen zwischen Österreich und Kroatien nicht mehr so intensiv waren, lebten bis zu den 70ern Jahren des 20. Jh. in der Agramer Mundart zahlreiche Germanismen. Th. Magner verzeichnete 1966 den häufig zitierten Satz: «Bedinerice klofaju tepihe v lihthofu.», in dem es, von der Präposition v abgesehen, kein indigenes kroatisches Lexem gibt.

1. 2. Deutsch-serbischer Sprachkontakt

Wegen der geographischen Lage und politischer Umstände war der deutsch-serbische sprachliche und kulturelle Kontakt von einer wesentlich geringeren Intensität als der deutsch-kroatische.

Im Mittelalter war der Balkan ein wichtiger Kreuzweg zum Heiligen Lande. Die meisten der Reisenden waren Pilger oder Kreuzritter. Einige von ihnen blieben auf Höfen serbischer Adeligen, aber der Kontakt war zu schwach um wesentliche Spuren in der Sprache zu hinterlassen.

Die erste wichtige Quelle von Germanismen im Serbischen war die Sprache der sächsischen Bergleute. Sie werden zum ersten Mal im 13. Jh. in einer Urkunde von Stephan Uroš erwähnt. Es handelt sich um deutschsprachige Einwanderer aus Ungarn, die bosnische (Fojnica, Srebrenica, Zvornik) und serbische (Rudnik, Kopaonik, Novo Brdo) Bergwerke gründeten und in ihnen arbeiteten. Sie bekamen Privilegien, wie z. B. eine autonome Verwaltung und ein eigenes Gericht. Nach der türkischen Okupation zogen die meisten von ihnen zurück nach Ungarn oder wurden serbisiert. Aus dieser Periode stammen die Lehnwörter wie lihtloh, pruh, šljaka, štolna, žamkost.

Die meisten der Germanismen in der Belgrader Mundart wurden während der österreichischen Besetzung von 1717 bis 1739 entlehnt. Damals bestand die Stadt aus zwei Teilen ­­− man sprach von «nemački Beograd» (deutsches Belgrad) i «savski / srpski Beograd» (serbisches Belgrad). Im deutschen Teil der Stadt lebten meistens österreichische Offiziere, Handwerker und Händler, wovon die Lehnwörter wie perikenmaher, pinter, šnajder, traksler zeugen.

2. Germanismen nach Sachgruppen

Da die meisten Lehnwörter zusammen mit der Entität, die sie bezeichnen, übernommen werden, ist jedes von ihnen als ein Denkmal des interkulturellen Kontaktes zu betrachten.

Eine Analyse der Germanismen im Kroatischen und im Serbischen zeigte, daß sie zu folgenden Sachgruppen gehören:

  1. Handwerk und Gewerbe (ceh, cimerman, dreksler, fensterštok, hokmeser, kramp, mašina, moler, pintar, šnajder, šprengler, šuster, verkštat );
  2. Landwirtschaft ( grunt, paor, pelcati, štala, štraja );
  3. Bergbau ( funtarica, gleta, ligunat, roštar );
  4. Haus und Hausrat ( badecimer, forcimer, ganak, grunt, haustor, hiža, oberliht, šlafcimer, šupa );
  5. Kleidung, Schmuck, Mode ( bakenbart, brusthalter, fusekle, harnodla hozentregeri, kragna, lajbek, plundre, reklja, šlape, šlep, šmuk );
  6. Essen und Trinken ( ajnpren, ajngemahtes, dinstati, faširati, kajzeršmarn, mošt, puter, šnicl );
  7. Staat, Verwaltung, Rechtswesen ( beamter, birgermajster, forajter, hormajster, policaj, rihter, štibra );
  8. Unterichtswesen ( cajgnis, ferje, matura, maturant, šulkolega, tinta );
  9. Militärwesen ( fana, felčer, lajtnant, lozinka, logor, meldovati );
  10. Geldwesen ( bankcetlin, banknota, cvancik, groš, guldin, penezi, talir );
  11. Bräuche ( fašnik, kirvaj, krizbam, krancla, larfa );
  12. Tanz, Spiel, Sport ( kibic, kegla, herc, štih, šlitšue, tancati );
  13. Theater ( ajnakter, bina, drebina, rola );
  14. Musik ( muzikant, orgulje, šlager, špilman );
  15. Kirche und Religion ( altar, berma, mežnjar, rožinkranc );
  16. Heilkunde ( fras, grint, kuga, šlog, špital );
  17. Pflanzen ( celer, figa, kelj, krumpir,lorber, špinat );
  18. Tiere ( fink, gimpl, haringa, opica, štiglic ).

Literatur

  • Glovacki-Bernardi Zrinjka (1988) Deutsche Lehnwörter in der Stadtsprache von Zagreb. Frankfurt am Main-Berlin-Bern-New York-Paris-Wien: Lang.
  • Grotzky, Johannes (1978) Morphologische Adaptationen deutscher Lehnwörter im Serbokroatischen (Beiträge zur Kenntnis Südeuropas und des Nahen Orients Bd. 26). München: Dr. Rudolf Trofenik.
  • Kettenbach, Helmut (1949) Deutsche Lehnwörter und Lehnübersetzungen im Serbokroatischen. Graz .
  • Magner, Thomas (1966) A Zagreb Kajkavian Dialect. Penn State Studies No. 18, The Pennsylvania State University.
  • Piškorec, Velimir (1997) Deutsches Lehngut in der kajkavisch-kroatischen Mundart von Đurđevac in Kroatien. Frankfurt am Main – Berlin – Bern – New York – Paris – Wien: Peter Lang.
  • Piškorec, Velimir (2005) Germanizmi u govorima đurđevečke Podravine. Zagreb: FF press.
  • Schneeweis, Edmund (1960) Die deutschen Lehnwörter im Serbokroatischen in kulturgeschichtlicher Sicht. Berlin: de Gruyter.
  • Strieder-Temps, Hildegard (1958) Deutsche Lehnwörter im Serbokroatischen. Berlin, Wiesbaden: Harrassowitz.

Bis zu diesem Zeitpunkt kann die Rede fast ausschiesslich vom deutschen (österreichischen) politischen und wirtschaftlichen Einfluss sein.