Allgemeines

Hugo Schuchardt, der zu den ganz Großen seines Faches zählt, hat mit seinen bahnbrechenden Forschungen der Grazer Philologie, auch weit über den Rahmen der Romanistik hinaus, hohes internationales Ansehen verschafft und darf bis heute als der wohl einflussreichste österreichische Sprachwissenschaftler gelten. Die von ihm errichtete Stiftung wird von der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität verwaltet und fördert Forschung und Ausbildung auf dem Arbeitsgebiet des Gelehrten.

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Geschichte

Der 1842 in Gotha geborene Schuchardt schloss seine universitären Studien in Jena und Bonn mit der bis heute exemplarischen Dissertation über den Vokalismus des Vulgärlateins ab. Auch die nachfolgenden Schriften sind in die Forschungsgeschichte eingegangen. Die Leipziger Habilitationsschrift Über einige Fälle bedingten Lautwandels im Churwälschen (1870) markiert den Beginn der Auseinandersetzung mit den Junggrammatikern, die schließlich in dem Pamphlet Über die Junggrammatiker - Gegen die Lautgesetze einen Höhepunkt finden sollte. Mit der Leipziger Probevorlesung begann insofern ein neues Kapitel der romanischen Sprachwissenschaft, als erstmals die Kontinuitätshypothese bezüglich der Übergänge von Sprachräumen exemplarisch und programmatisch dargestellt und somit die Wellentheorie wissenschaftlich begründet wurde.

1876 nahm Schuchardt einen Ruf nach Graz auf die erste romanistische Lehrkanzel der Karl-Franzens-Universität an, die er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1900 innehatte. Er war Mitglied zahlloser in- und ausländischer wissenschaftlicher Gesellschaften und Akademien und beteiligte sich weiterhin aktiv am internationalen wissenschaftlichen Diskurs. Bis zu seinem Tod im Jahr 1927 wohnte der Gelehrte in der von ihm in der Grazer Johann-Fux-Gasse 30 errichteten "Villa Malwine" [so die ältere Schreibweise, die auch noch über der Eingangstür zu lesen ist], deren Grundstück an das Gelände des Botanischen Gartens angrenzt und von diesem teilweise genutzt wird. In diesem Haus war bis vor einigen Jahren das aus der Lehrkanzel Schuchardt hervorgegangene Institut für Romanistik untergebracht, dem heute vier Professuren und zahlreiche sonstige wissenschaftliche Stellen zugeordnet sind. Schuchardt hat mehrere eigenständige Forschungsbereiche begründet, etwa die Kreolistik, in anderen gilt er als Wegbereiter (so etwa in der Sprachkontaktforschung, hierfür erhielt er den Prix Volnay). Er beschäftigte sich in unterschiedlicher Intensität mit der Phonologie, dem Akzentsystem, dem Verbalsystem, den Lehnwortbeziehungen zum Lateinischen und den romanischen Sprachen, dem Sprachkontakt und der Sprachverwandtschaft, mit dem Baskischen und der Vorgeschichte des Iberischen, mit philologischen Texteditionen und und gelegentlich auch mit literarischen Fragen.

Der Zusammenhang und die Trennung von historischer und elementarer Sprachverwandtschaft, in Anlehnung an die Humboldtsche Terminologie, führte Schuchardt in eine interessante Auseinandersetzung mit der damals akademisch Fuß fassenden Sprachtypologie. Viele seiner Schriften waren und sind umstritten, aber beeindruckend bleibt, mit welcher Leidenschaft und Akribie er zeitlebens gearbeitet, zu den unterschiedlichsten Bereichen seines Faches Originelles und Relevantes beigetragen hat, oft Traditionalist und Neuerer in einer Person. Gerade Grenzüberschreitungen, wie der Kontakt von Sprachen oder die Herausbildung neuer Sprachen, markierten seinen Weg, auch im wissenschaftstheoretischen Sinn hin zu Nachbardisziplinen, etwa zu der von ihm ante litteras praktizierten interdisziplinären Kulturforschung, in Übergangsbereiche zur Ethnologie, zur Anthropologie, zur Kulturgeschichte und Pädagogik und schließlich auch zu Fragen von Sprache, Ideologie und Politik.

Den Bestand seiner Privatbibliothek sowie seinen handschriftlichen Nachlaß vermachte Hugo Schuchardt der Universitätsbibliothek Graz. Ersterer ist über einen Sonderstandort in die Systematik der Universitätsbibliothek integriert, die Nachlaßabteilung verwaltet das vorwiegend aus Briefen bestehende handschriftliche Vermächtnis. Dieses wurde in den 90er Jahren katalogisiert. Am Institut für Sprachwissenschaft läuft ein Projekt zur on-line Veröffentlichung sämtlicher Publikationen Hugo Schuchardts auf einer eigenen Hugo Schuchardt Homepage, sowie zur schrittweisen Aufarbeitung der wissenschaftshistorisch und wissenschaftlich interessanten Briefwechsel und anderer nachgelassener Materialien.

Professor Schuchardt errichtete in einer letztwilligen Erklärung aus dem Jahr 1917 eine Stiftung, die zum Andenken an seine Mutter den Namen "Malvinenstiftung" tragen und einem gemeinnützigen Zweck dienen sollte, und zwar "einem wohltätigen, mit dem eine Förderung der wissenschaftlichen Studien verbunden sei". Mit der Verwaltung betraute er die Philosophische Fakultät der Universität Graz, die nach seinem Tod diese Stiftung annahm und sich zu ihrer Erfüllung im Sinne des Stifters verpflichtete. In ihrer Sitzung vom 8. März 1929 beschloss sie ein Statut der Malvinenstiftung, das von der Aufsichtsbehörde am 2. Mai 1929 genehmigt wurde. Die steiermärkische Landesregierung hat mit "Willbrief" vom 18. November 1929 die Rechtspersönlichkeit "Professor Dr. Hugo Schuchardt'sche Malvinenstiftung" anerkannt.

Die Stiftung wird durch ein Kuratorium verwaltet, dem der Dekan bzw. die Dekanin der Geisteswissenschaftlichen Fakultät als Vorsitzende, die Professoren und Professorinnen des Instituts für Romanistik und der Direktor bzw. die Direktorin des botanischen Gartens der Universität Graz als stimmberechtigte Mitglieder angehören.

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Stiftungszweck

Der Zweck der Stiftung ist lt. Ziffer II Abs. 1 der Stiftungssatzung in der derzeit geltenden Fassung (genehmigt durch Bescheid der Steiermärkischen Landesregierung vom 10. März 1985) "die Förderung wissenschaftlicher Forschung und Ausbildung auf dem Arbeitsgebiet Hugo Schuchardts, vor allem die Erforschung der Sprachen und Kulturen der romanischen Völker und deren Beziehungen zu den Nachbarkulturen. Der begünstigte Personenkreis besteht unter anderem aus Professoren, Assistenten, Lektoren und Studenten an den Universitäten und an anderen Einrichtungen, die sich mit der Erforschung und Ausbildung in den philologischen Fachrichtungen beschäftigen.

Dieser Zweck wird insbesondere erreicht durch:

  1. die Bewilligung von Druckkostenbeiträgen für Arbeiten auf dem Gebiet der Romanistik, die an der Universität Graz entstanden sind,
  2. die Herausgabe wissenschaftlicher Publikationen namens der Stiftung,
  3. die Veranstaltung von Vorträgen auswärtiger Gelehrter,
  4. die Gewährung von Kostenzuschüssen und Stipendien für wissenschaftliche Reisen und Exkursionen."
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Leistungen

In seiner Sitzung vom 25. März 2003 hat das Stiftungskuratorium dazu die folgenden Richtlinien zur Gewährung von Zuschüssen durch die Malvinenstiftung beschlossen:

Gewährung von Druckkostenbeiträgen

Die von der Malvinenstiftung durch Druckkostenbeiträge zu fördernde Arbeit muss hohe wissenschaftliche Qualität und Relevanz aufweisen und darf zum Zeitpunkt der Antragstellung noch nicht im Druck erschienen sein. Das Kuratorium lässt die Qualität durch Gutachter überprüfen. Die Bewilligung eines Antrags an die Malvinenstiftung auf Förderung durch Druckkostenbeiträge ist grundsätzlich nur nach Ausschöpfung der öffentlichen Förderungsmöglichkeiten möglich. Die Förderung durch die Malvinenstiftung ist im Band zu erwähnen.

Dem Förderungsantrag sind beizufügen:

  • eine kurze Präsentation des wissenschaftlichen Vorhabens, seiner Ziele und Methoden;
  • eine Kostenaufstellung einschließlich der erforderlichen Verlagskalkulation;
  • Nachweise darüber, bei welchen sonstigen öffentlichen oder privaten Stellen mit welchem Ergebnis (einschließlich allfälliger Ablehnungsgründe) eine Förderung durch Druckkostenbeiträge beantragt worden ist.
  • Bei Druckkostenzuschüssen 1 Exemplar (Manuskript) der Arbeit in gebundener Form
  • Vorhandene Fachgutachten, Benotungen usw.

Eine Gewährung von Druckkostenbeiträgen zur Herausgabe von Sammelschriften ist nur bei ausreichender Homogenität des Bandes und hoher Qualität aller Beiträge möglich. Dem Antrag sind neben den für Monographien genannten Voraussetzungen Stellungnahmen zur Publikationswürdigkeit der einzelnen Beiträge bzw. des Gesamtvorhabens beizufügen. Das Kuratorium behält sich vor, eigene Fachgutachten einzuholen. Sofern das Kuratorium einzelne Beiträge für nicht publikationswürdig hält, ist eine Zuschussgewährung nur dann möglich, wenn diese Beiträge nicht in der Sammelschrift publiziert werden. Die Förderung durch die Malvinenstiftung ist im Band zu erwähnen. Nach erfolgtem Druck sind der Stiftung zwei kostenfreie Belegexemplare zu übergeben.

Gewährung von Zuschüssen für Gastvorträge

Im Förderungsantrag, der vor Abhaltung des Gastvortrags zu stellen ist, ist plausibel zu machen, dass der von der Malvinenstiftung durch einen Zuschuss zu fördernde Vortrag hinsichtlich seiner Thematik dem Stiftungszweck entspricht und dass der resp. die Vortragende wissenschaftlich ausgewiesen ist. Der Veranstalter des Vortrags verpflichtet sich, einen für die Öffentlichkeit günstigen Zeitpunkt zu wählen und den Vortrag ausreichend anzukündigen. Ferner ist eine Auflistung allfälliger weiterer Zuschussgeber unter Nennung der Höhe ihrer Zuschüsse beizufügen.

Gewährung von Kostenzuschüssen und Stipendien für wissenschaftliche Reisen und Exkursionen

Im Förderungsantrag, der vor Reiseantritt zu stellen ist, ist zu begründen, inwiefern die von der Malvinenstiftung durch einen Zuschuss zu fördernde Reise oder Exkursion dem Stiftungszweck entspricht. Dazu gehören Angaben über den zu erwartenden wissenschaftlichen Ertrag der Reise oder Exkursion sowie über die Befähigung der Teilnehmenden, die mit dieser Reise oder Exkursion verfolgten wissenschaftlichen Ziele zu erreichen.

Ein Antrag an die Malvinenstiftung auf Gewährung von Kostenzuschüssen und Stipendien für wissenschaftliche Reisen und Exkursionen kann grundsätzlich nur nach Ausschöpfung der öffentlichen Förderungsmöglichkeiten gestellt werden. Nachweise darüber, bei welchen Stellen mit welchem Ergebnis (einschließlich allfälliger Ablehnungsgründe) eine Förderung beantragt worden ist, sind beizufügen.

Nach Beendigung der Reise oder Exkursion ist dem Kuratorium der Malvinenstiftung ein kurzer Abschlussbericht zu übermitteln. Reisen zur Erlernung von internationalen Verkehrssprachen und den romanischen Hauptsprachen können nicht durch Kostenzuschüsse gefördert werden.

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Der Rechtsweg ist in jedem Falle ausgeschlossen. Allfällige Ablehnungen von Anträgen durch die Malvinenstiftung werden begründet.

Einreichtermine für Förderungsanträge sind jeweils der 31. Jänner, der 31. Mai und der 30. September.

Anträge und Anfragen sind an den Kurator der Malvinenstiftung
- derzeit: Univ.-Prof.Dr. Martin Hummel
(e-mail: martin.hummel@uni-graz.at) -
unter folgender Adresse zu richten:

Institut für Romanistik
Karl-Franzens-Universität
Merangasse 70/III. Stock
A- 8010 Graz