Oswald von Wolkenstein
 
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Kein anderer deutscher Dichter des Mittelalters hat einen derart umfangreichen Fundus an historischen Nachrichten über seinen Lebensweg hinterlassen wie Oswald von Wolkenstein. Archivalien, Bildzeugnisse und autobiographische Angaben in seinen Liedern ergänzen einander zu einem bemerkenswert plastischen, vom Selbstverständnis des Urhebers bewußt mitgezeichneten Bild einer spätmittelalterlichen Adelsexistenz. Mehrere Bildnisse mit Porträtcharakter weisen unmißverständlich darauf hin, daß dieser Mann sich selbst Denkmäler setzen wollte. Außerdem liefern sie uns einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis seiner kämpferischen Aufsteigermentalität: Er deklarierte sich als Ritter und war offensichtlich mit einem für jede Art von adeliger Karriere hinderlichen Gebrechen, einer Ptosis des rechten Augenlids, behaftet. Den zweiten Schlüssel fördern die Archivalien zutage: Oswald von Wolkenstein gehört in die lange Reihe jener jüngeren, vermögensrechtlich benachteiligten Söhne, die ihren Status als Adelige nur durch Leistung wahren oder gar anheben konnten.

Auch seine Liedkunst hatte für Oswald von Wolkenstein, zumindest teilweise, praktische Funktion als Hebel des sozialen Aufstiegs und Spiegel adeligen Selbstverständnisses. Sein mit 130 Liedern und zwei Reimpaarreden umfangreiches Werk bietet eine unerhörte Vielfalt an Themen und Formen. Dennoch bestimmen formal Normbewahrung und thematisch adelige Standesinteressen den Gesamtbefund.

Der besondere Reiz von Oswalds Dichtung, zu der Liebesdichtung genauso gehört wie geistliche Lieder und weltlich-didaktische Dichtung, liegt wohl in der geschickten Einbringung von persönlichen Ansichten, Erfahrungen und Erlebnissen in die literarische Tradition. Oswalds Werk - Texte und Melodien - ist uns in zwei repräsentativen Pergamenthandschriften (HS A, ÖNB Wien; HS B, UB Innsbruck), die zu Lebzeiten des Autors und in seinem Auftrag angelegt worden sind, überliefert. Eine nach seinem Tod entstandene, schlichte Papierhandschrift ohne Noten (Hs c, Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck) und die relativ spärliche Streuüberlieferung können diesen Grundbestand nur mehr unwesentlich erweitern.

vgl. Anton Schwob: Oswald von Wolkenstein. In: Deutsche Dichter. Leben und Werk deutschsprachiger Autoren. Hrsg. v. Gunter E. Grimm u. Frank R. Max. Band 1. Mittelalter. Stuttgart 1989. (= RUB. 8611.) S. 382-396.






Oswald von Wolkenstein

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Institut für Germanistik | Universität Graz | GewiLab | BetreuerIn, aktualisiert am 08.11.2004