Die Albanische Volkszählung von 1918
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Die albanische Volkszählung von 1918: Dateneingabe und Basisauswertungen

 

Die Volkszählung von 1918, ihr Wert und ihre Bedeutung

Im allgemeinen wird die wissenschaftliche Meinung vertreten, daß präzise Volkszählungen in Albanien frühestens mit der Volkszählung 1945 beginnen (der dann die Volkszählungen 1950, 1955,1960, 1969, 1979 und 1989 folgten)  und deren Daten vom Statistischen Amt veröffentlicht wurden. Die erste von albanischen Behörden durchgeführt Volkszählung fand 1923 statt, von der viele Ergebnisse auf Makroebene publiziert sind. Die nächste Volkszählung fand dann im Jahr 1930 statt. Von dieser Volkszählung liegen noch die Originalunterlagen vor, allerdings nicht als kompakter Bestand. Die Angaben dieser Volkszählung sind jedenfalls wesentlich unpräziser als die eines anderen Zensus, der in der bisherigen wissenschaftlichen Literatur völlig unterschätzt wird, nämlich der vom Grazer Statistiker Franz Seiner im Jahr 1918 organisierte.
Im Jänner 1916 wurde ein Großteil Albaniens von österreichisch-ungarischen Truppen besetzt; ausgenommen blieben lediglich Randzonen im Süden des Landes, die von bulgarischen, französischen, italienischen und griechischen Truppen besetzt waren. Shkodra wurde zum Sitz der Militärverwaltung, die die traditionellen zivilen Verwaltungsstrukturen unangetastet ließ.
Mit Stichtag 1. März 1918 wurde die Volkszählung durchgeführt, das gesamte Material nach Shkodra gebracht und im statistischen Landesamt sichergestellt, wo es "mit Hilfe einer größeren Zahl von intelligenten jungen Albanern bearbeitet"  wurde. Bis Ende September wurden Überprüfungen, Ergänzungen und Nacherhebungen durchgeführt. Diese Bearbeitung mußte abgebrochen werden, da im Oktober der Truppenabzug begonnen wurde. Dem Befehl, das gesamte Material zu vernichten, kam nur das Bezirkskommando in Lushnja nach, wodurch das Material für die Kreise Berat, Fier, Lushnja und Shkrapar (89.142 Personen) fehlt.  Der Rest deckt dennoch einen Großteil des Landes ab: 435.075 von den 1923 gezählten 803.959 (diese Zahl ist wahrscheinlich zu hoch gegriffen) gezählten Einwohnern (54 %) oder 20.096 km2 von insgesamt 28.748 km2 (70 % der gesamten Landesfläche). Es gelang unter großen Anstrengungen, das Material nach Wien zu schaffen; das Militärliquidierungsamt überließ das Material der Akademie der Wissenschaften zur Verwertung. Diese beauftragte den Leiter der Volkszählung, Franz Seiner, summarische Statistiken zu erstellen. Diese wurden 1922 – mit finanzieller Unterstützung durch die albanische Regierung - veröffentlicht.  Im Auftrag der albanischen Regierung veröffentlichte Seiner auch gesondert die Volkszählung in den nordalbanischen Stammesgebieten. Auf der Grundlage seiner Volkszählung erstellte er auch eine erste Karte über die Verteilung, Größe und Grenzen der Stammesterritorien.  Vorab veröffentlichte der Leiter der Balkankommission der Akademie, E. Oberhummer, bereits einige statistische Ergebnisse.  Man dachte zwar damals daran, auch Ergebnisse auf Orts- und Gemeindeergebnisse zu veröffentlichen, die Akademie konnte jedoch das Geld für die Druckkosten nicht aufbringen. Oberhummer schloß: "Wenn hier nicht Hilfe von außen eintritt, bleibt das sowohl für die Wissenschaft wie für jede Art geordneter Verwaltung in Albanien unentbehrliche Material brach liegen".  Und so war es dann auch.
Die Volkszählung wurde mit großer Präzision durchgeführt und langfristig geplant. Die statistische Aufnahme setzte bereits zwei Monate nach dem Einmarsch der k.u.k. Truppen ein: Im März 1916 wurde eine provisorische Volkszählung in Verbindung mit einer Aufnahme des Viehbestandes und der Verpflegungsvorräte durchgeführt. Diese Zählung war schlecht vorbereitet und wies gravierende Mängel auf. Im März 1917 wurde dann Franz Seiner als Referent für Landesstatistik nach Albanien geschickt. Seine Aufgabe war es, ein Landesamt für Statistik aufzubauen und danach eine allgemeine Volkszählung zu organisieren.

Dieses Forschungsprojekt soll nun diese Volkszählung für die wissenschaftliche Forschung zugänglich machen. Das Forschungsprojekt wird vom Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung finanziert und begann im August 2000.


 

 



Siegfried Gruber, 21. Jänner 2004